Masuren im Oktober 2019

Eigentlich habe ich mit dieser Gegend Europas keine familiäre oder anderweitige Verbindung. Allerdings bin ich seit der Schulzeit neugierig, wie Preußen und insbesondere das ländliche Ostpreußen sich denn wohl in den vergangenen Jahrhunderten dargestellt hat.

Erstmalig war ich im letzten Jahr zu Besuch in dieser Region mit der wunderschönen, beruhigenden Landschaft. Recht kurzfristig ist bei mir der Entschluss gereift, mir diese Gegend noch einmal anzuschauen, nicht nur in der Hoffnung auf weniger Regen. Diese Hoffnung hat sich erfüllt, manch andere auch.

Aber seht selbst.

Masurische Landschaft

Was ist die erste Reaktion, wenn das Gespräch auf Masuren kommt? Die Landschaft. Natürlich ist dies für Fotografen das Erste ‚Muss sein‘, wenn es einen schon mal hierhin verschlägt.

Im folgenden eine kleine Auswahl der entstandenen Bilder:

Details

Man scheint sich zu kennen …

Zwielichtiges

Aufgrund der Jahreszeit sind Sonnenauf- und Untergänge zu urlaubsfreundlichen Zeiten, Sonnenaufgang etwa 7:30, der Sonnenuntergang folgt etwa um 18:00. Das herbstliche Wetter ist uns im wesentlichen wohlgesonnen

Bausünden

Man kann sich vorzüglich darüber streiten, ob es nun ein ganzer Haufen gleichzeitig entstandener Bausünden ist oder als Gesamtheit sozusagen eine große Bausünde.

Es sollte nicht darüber gestritten werden, dass sich hier der Irrsinn eines menschenverachtenden Gedankengutes widerspiegelt – es geht um die Wolfsschanze, welche heute zum Gebiet Polens hört. Eigentlich war ich bei meinem ersten Besuch dort – ein Jahr zuvor – der Ansicht, das muß an aus historischen Gründen und zur Abschreckung einmal sehen, aber auch nicht öfters, Aufgrund des erheblich besseren Wetters in diesem Jahr bin ich hier wortbrüchig geworden. Ich wollte mich auch der Herausforderung stellen, diesen Größenwahn fotografisch abzubilden.

Ein Detail am Rande: Gebäude für das einfache Volk, wie beispielsweise des Fernschreib-Dienstes, bestanden aus Backstein. Um einen bestmöglichen Schutz vorzugaukeln wurde darauf eine meterdicke Betonplatte gelegt. Sicherlich ein Schutz für alles was von oben kommt, aber schon bei Detonationen neben dem Gebäude wird es kritisch, insbesondere wegen der recht großen Fensterflächen. Vermutlich war man der Einfachheit halber arrogant genug zu glauben, hier im Wald fernab von vielem sowieso nie angegriffen zu werden.

Dieser Pragmatismus galt natürlich nicht für den Wolf (=Herr Hitler) oder seine nächsten Wahnsinnigen, wie beispielsweise Herrn Göbbels. Beide hatten je einen Bunker mit mehreren Metern Betonwand in alle Richtungen.

Grafisches

Immer wieder ergibt sich die Gelegenheit zu Fotos, welche die Ruhe der Landschaft und des Alltag widerspiegeln. (bitte mit dem Pfeilen am Bildrand steuern)

Wallfahrtskirche Heiligelinde

Die Wallfahrtskirche Heiligelinde (polnisch Święta Lipka) ist ein ‚muss‘ beim Besuch der Gegend. Auch hier macht es ohne Regen mehr Spaß.

Schloss Dönhoffstädt in Drogosze

Da es zu den bekanntesten ehemals preussischen Gebäuden in Masuren gehört und sowohl beeindruckend als auch fotogen ist, geht es auch zum Schloss Dönhoffstädt. Vor der Besichtigung des ‚Lost Place‘ lädt das Wetter zu einer kurzen Wanderung um den naheliegenden See ein.

Wer etwas mehr über die Geschichte erfahren möchte, dem sei folgender Link ans Herz gelegt:

Schloss Dönhoffstädt in Drogosze:

Masurens Prachtresidenz: Schloss Dönhoffstädt in Drogosze

Hier nun eine Auswahl der entstandenen Bilder:

Der Ort Reszel (deutsch: Rößel)

Reszel ist eine Kleinstadt im Norden der Region Ermland-Masuren, etwas westlich vom Mauersee.

Interessant ist die Ortschaft, da es eine der wenigen gut erhaltenen typischen Dörfer der Region ist. Neben dem typischen Ortskern ist hier auch Burg Rößel als Blickfang zu nennen. Bei der Erforschung der Ortschaft geht es mir etwas seltsam – einerseits habe ich das Gefühl, in einer kleinen, etwas in der Zeit stehengebliebenen deutschen Ortschaft zu spazieren, andererseits sind recht fremde (polnische) Sprachfetzen und eine ebensolche Beschilderung wahrzunehmen.

Was kann ich zum Schluß als Resümee festhalten?

  • eine wunderschöne Landschaft, welche zumindest im Herbst in Ruhe versinkt
  • eine lobenswerte und bodenständige Küche
  • ich war sicherlich nicht zum letzen Mal hier

Abschließend noch ein wenig zur neueren Geschichte, zwischen 1918 und 1945:

Nach dem Ersten Weltkrieg fand aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags am 11. Juli 1920 in der Stadt eine Volksabstimmung über die zukünftige staatliche Zugehörigkeit Rößels statt. Zur Wahl standen der Verbleib in Deutschland oder der Anschluss an Polen. In Rößel, das zum Abstimmungsgebiet Allenstein gehörte, stimmten 3260 Einwohner für Ostpreußen, auf Polen entfiel keine Stimme. Im Landkreis stimmten 97,90 % der Bevölkerung für den Verbleib bei Deutschland.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs besetzte am 29. Januar 1945 die Rote Armee Rößel ohne größere Kampfhandlungen. Da die Einwohner nicht evakuiert worden waren, wurden viele von ihnen Opfer gewalttätiger Übergriffe durch die sowjetischen Soldaten. Der Stadt blieb im Gegensatz zu den meisten anderen Städten in Ostpreußen eine flächendeckende Zerstörung erspart. Bald nach der Übernahme durch die Rote Armee wurde die Stadt unter polnische Verwaltung gestellt. Es begann danach der Zuzug polnischer Zivilisten. Soweit die deutschen Einwohner nicht geflohen waren, wurden sie mit Ausnahme des Krankenhauspersonals bereits am 10. Februar 1945 größtenteils aus der Stadt vertrieben.

(aus: Wikipedia, Artikel zu Reszel)

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